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Spitäler in
Regensburg

Krankenhäuser im Wandel – eine europäische Geschichte am Beispiel Regensburgs

1. St. Peter Waisenhaus

Das Wirtshaus „Zum Nackenden Herrgott“

Steinweg 1, 93059 Regensburg, 49°01'37.4"N 12°05'48.4"E
Frieder Leipold/ARCHIATER

Weihbischof Gottfried Langwerth von Simmern hatte viele Steine aus dem Weg zu räumen, bevor er 1737 das neue Waisenhaus in Stadtamhof einweihen konnte. Hämischen Bürger schwebte eine ganz andere Nutzung des Gebäudes vor.

Das katholische Waisenhaus St. Peter in Stadtamhof beherbergte in Zeiten höchster Auslastung 50 Waisen und verhalf 100 armen Kindern zu einer Schulbildung. Im angeschlossenen Krankenhaus wurden Bedürftige behandelt. Doch der Anfang verlief schleppend. Obwohl Weihbischof Gottfried Langwerth von Simmern 1735 Wohltätern als Vergeltung für eine Spende „einen Wechsel in die lange Ewigkeit“ versprach, dauerte es, bis er die offizielle Genehmigung bekam. Spottende Bürger prophezeiten schon ein Scheitern seiner Bestrebungen. Sie spekulierten über eine Umwidmung des ehemaligen Spitals in ein Wirtshaus. Einen passenden Namen hatten sie sich auch schon ausgedacht. Wegen der Statue eines Schmerzensmanns sollte es „Zum Nackenden Herrgott“ heißen. 1737 war es dann aber trotz allen Unkenrufen soweit und das Waisenhaus nahm seinen Betrieb auf. Sechs Jahre zuvor hatte Langwerth von Simmern bereits ein erstes Waisenhaus für katholische Kinder in der Ostnerwacht errichtet (Nummer 10 unserer Tour). Für evangelische Waisen gab es seit 1666 ein Haus in der Alten Manggasse. Zuvor waren „die arme vater- und mutterlose waisen gar übel von ihren costherren und -frauen erzogen und mehr zum betteln als zur schuel gehalten worden“, so dass sie, „wan sie im harten winter also im betteln herumbgezogen, sich erfrört und schäden bekommen“ hatten.

  • Artur DIRMEIER / Peter MORSBACH, Spitäler in Regensburg. Krankheit, Not und Alter im Spiegel der Fürsorgeeinrichtungen und Krankenhäuser einer Reichsstadt (=Josef Fink (ed.), Große Kunstführer, Band 192), Regensburg: Schnell & Steiner, 1994, S. 34-35, 37-38.
  • Karl HAUSBERGER, Die katholischen Waisenhäuser St. Salvator in der Ostnerwacht und St. Peter in Stadtamhof-Steinweg, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 31-37.
  • Ute KÜPPERS-BRAUN, Erzieh- und Exulantenkinder im Regensburger Waisenhaus für die Armen Kinder, Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg (Hrsg.), Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 144, Regensburg: Verlag des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 2004, S. 173-193 [online].
  • Karin RICHTER, Ausstellungsdokumentation Regensburger Spitäler und Stiftungen – Ansichten und Dokumente, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 78-79.
  • Johann SCHMUCK, Die Entwicklung der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung. Bürgerliche Stiftungen, Almosenamt, Evangelische Wohltätigkeitsstiftung, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 43-44.
  • Eintrag zum St. Peter Waisenhaus auf Wikidata [online].

2. Katharinen Spital

Ein Krankenhaus als Festung

Am Brückenfuß 1-3, 93059 Regensburg, 49°01'26.6"N 12°05'49.4"E
Frieder Leipold/ARCHIATER

Das Katharinenspital liegt am Brückenkopf, der Steinernen Brücke vorgelagert. Über Jahrhunderte zeigte sie den Wittelsbachern, die eigentlich diese Uferseite beherrschten, den Anspruch der Regensburger, den Übergang über die Donau zu kontrollieren.

Reisende von Norden trafen zunächst auf das Katharinenspital, bevor sie die Steinerne Brücke hinüber in die Stadt betraten. In diesem Vorposten Regensburgs zeigte sich bereits die gesellschaftliche Struktur der Bevölkerung. Die städtischen Vertreter verwalten seit jeher das Spital gemeinsam mit bischöflichen Amtsträgern – nach der Reformation als Lutheraner gemeinsam mit Katholiken. Als Brückenkopf auf dem sonst von Bayern verwalteten Nordufer war die Errichtung ab 1213 auch ein Zeichen von Selbstbewusstsein gegenüber der Wittelsbacher Herzöge.
Aus den ersten Jahrzehnten seines Bestehens stammte anscheinend auch ein romanisches Doppelportal, das von der Brücke direkt ins Spital führte. Heute ist unklar, wen die verschiedenen Figuren zeigten. Vermutlich stellte die Figur in der Mitte den damaligen Bischof Konrad IV. dar. Das Maßwerk im Rundfenster hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der zeitgleich errichteten Kirche St. Ulrich am Dom.
Das Spital glich einer eigenständigen Siedlung mit zahlreichen Beschäftigten. Ursprünglich diente es nicht nur als Krankenhaus, sondern auch als Unterkunft für Pilger und konnte bis zu 400 Personen aufnehmen. Im Lauf der Zeit änderte sich der Charakter hin zu einem Heim für Alte, als welches es bis heute fortbesteht. Wichtige Gebäude waren die Infirmerie für die Kranken und die Katharinenkapelle, die direkt an den Turm zur Steinernen Brücke reichte. Heute noch erhalten ist die ehemalige Johanneskirche (heute Spitalkirche St. Katharina).

  • Artur DIRMEIER / Peter MORSBACH, Spitäler in Regensburg. Krankheit, Not und Alter im Spiegel der Fürsorgeeinrichtungen und Krankenhäuser einer Reichsstadt (=Josef Fink (ed.), Große Kunstführer, Band 192), Regensburg: Schnell & Steiner, 1994, S. 14-19.
  • Artur DIRMEIER, St.-Katharinenspital und Steinerne Brücke. Spital und Brücke als rechtliche, architektonische und symbolische Einheit, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 17-30.
  • Peter MORSBACH, Baugeschichtliche Anmerkungen zu einigen mittelalterlichen Spitalbauten Regensburgs, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 48-51.
  • Karin RICHTER, Ausstellungsdokumentation Regensburger Spitäler und Stiftungen – Ansichten und Dokumente, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 74-75.
  • Eintrag zur Spitalkirche St. Katharina auf Wikidata [online].

3. St. Oswald Spital

Ein Monument für reiche Stifter

Weißgerbergraben 3, 93047 Regensburg (Standort vor Emmerams-Forum), 49°00'57.9"N 12°05'35.2"E
Frieder Leipold/ARCHIATER

Das St. Oswald Spital war auch als das „Reiche Spital“ bekannt. Seit der Stiftung um 1300 waren sowohl Kirche als auch Spitalgebäude vielen Umbauten unterworfen. Doch die Wappen der Stifter prangen nach wie vor deutlich sichtbar zur Donau hin.

Steht man draußen vor dem Chor von St. Oswald, stechen einem an zweien der Pfeiler die prächtigen Wappen der beiden Stifter Friedrich Auer und Karl Prager ins Auge. Sie sollen an diese beiden Bürger Regensburgs erinnern, die um 1300 soviel Geld in die Hand nahmen, dass ihre Einrichtung für bedürftige Frauen als das Reiche Spital bezeichnet wurde. Vermutlich stammten die qualitativ hochwertigen Steinmetzarbeiten des Chors von Meistern, die auch für die Domhütte arbeiteten.
Anscheinend befand sich die Unterkunft der Frauen, die bis 1604 „fast den halben theil der hinteren der kirchen innegehabt“ hatte, direkt im Anschluss an den Chor. Im Zuge der Umbauten des 17. Jahrhunderts wurde dann nicht nur das Kirchenschiff um mehrere Joche erweitert, sondern auch eine neue Empore eingebaut. 1708 erfolgten eine Dekoration und eine Ausmalung im Stil des Barock.
Das eigentliche Spitalgebäude befand sich dann, nach der Niederlegung der arnulfinischen Stadtmauer am Weißgerbergraben. Es bestand aus Pferdeställen und einem Holzlager im Erdgeschoß, den Kammern der Frauen im ersten Obergeschoß und einer Kornschütte im Dachgeschoß. 1873 und 1909 wurde das Haus stark umgebaut und 1975 schließlich zu einem Studentenwohnheim umgewidmet.

  • Artur DIRMEIER / Peter MORSBACH, Spitäler in Regensburg. Krankheit, Not und Alter im Spiegel der Fürsorgeeinrichtungen und Krankenhäuser einer Reichsstadt (=Josef Fink (ed.), Große Kunstführer, Band 192), Regensburg: Schnell & Steiner, 1994, S. 14-19.
  • Peter MORSBACH, Baugeschichtliche Anmerkungen zu einigen mittelalterlichen Spitalbauten Regensburgs, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 51.
  • Karin RICHTER, Ausstellungsdokumentation Regensburger Spitäler und Stiftungen – Ansichten und Dokumente, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 75-76.
  • Johann SCHMUCK, Die Entwicklung der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung. Bürgerliche Stiftungen, Almosenamt, Evangelische Wohltätigkeitsstiftung, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 40.
  • Eintrag zum ehemaligen Spitalgebäude des Reichen Spitals auf Wikidata [online].

4. St. Alban Seelhaus

Was bitte ist eine Seelnonne?

St.-Albans-Gasse 9, 93047 Regensburg, 49°01'14.6"N 12°05'31.2"E
Frieder Leipold/ARCHIATER

In früheren Jahrhunderten gab es Frauen, die ihr Leben aus religiösen Gründen der Krankenpflege widmeten. Diese Frauen nannte man Seelnonnen oder auch Beginen. Sie lebten zusammen in eigenen Häusern – in Regensburg sogar bis sie selbst zu Pflegefällen wurden.

Kurz bevor die Sankt-Alban-Gasse in das Fuchsgäßchen und die Gasse Am Römling mündet, steht ein eher unscheinbares Haus. Das erste Mal, dass ein Haus an diesem Standort erwähnt wurde, war im Jahr 1349. Zu dieser Zeit wütete in Mitteleuropa der sogenannte Schwarze Tod, der etwa ein Drittel der Bevölkerung das Leben kostete.
Bereits seit dem 13. Jahrhundert schlossen sich Frauen zu Gemeinschaften zusammen, deren Aufgabe es war, Bedürftige zu versorgen und für wohltätige Stifter zu beten. Diese Frauen bezeichnete man als Seelnonnen oder Beginen. Eine solche Gruppe konnte aus einer Hand voll Frauen bestehen, die in sogenannten Seeelhäusern lebten, oder - in Flandern und den Niederlanden - aus großen Gemeinschaften, die in Beginenhöfen lebten, die eigenen Stadtvierteln glichen.
Für Regensburg sind im 14. Jahrhundert acht Seelhäuser überliefert. 1580 wurden dann die zwei verbliebenen in der Waffnergasse zusammengelegt. Spätestens 1630 waren die Seelnonnen selbst zu Bedürftigen geworden, die eine eigene „Warterin“ und eine „Suppenträgerin“ hatten, die ihnen ihre Mahlzeiten aus der Zentralküche im Blatternhaus brachten. 1785 wurde das letzte Seelhaus aufgelöst und die letzten Frauen zogen ins Blatternhaus.

  • Artur DIRMEIER / Peter MORSBACH, Spitäler in Regensburg. Krankheit, Not und Alter im Spiegel der Fürsorgeeinrichtungen und Krankenhäuser einer Reichsstadt (=Josef Fink (ed.), Große Kunstführer, Band 192), Regensburg: Schnell & Steiner, 1994, S. 26.
  • Johann SCHMUCK, Die Entwicklung der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung. Bürgerliche Stiftungen, Almosenamt, Evangelische Wohltätigkeitsstiftung, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 41.
  • Eintrag zum ehemaligen Seelhaus zu St. Alban im Bayerischen DenkmalAtlas 2.0 [online].
  • Eintrag zum ehemaligen Seelhaus zu St. Alban auf Wikidata [online].

5. Blatternhaus bei St. Leonhard

Holzkur gegen die Syphilis

St. Leonhards-Gasse 12, 93047 Regensburg (Standort Gerbergasse), 49°01'18.2"N 12°05'07.6"E
Frieder Leipold/ARCHIATER

Mit dem Auftreten der Syphilis um 1500 wurden teilweise eigene Spitäler zur Unterbringung dieser Patienten eingerichtet. In Regensburg stand so ein Haus am westlichen Stadtrand. Das Baden in einem Sud, in dem Holz gekocht worden war, sollten Linderung bringen.

Blickt man von der Gerbergasse aus auf das ehemalige Blatternhaus, kann man an den freigelassenen Putzstellen gut die Trennung von dem mittelalterlichen Teil rechts und dem neueren Stadel links, mit seinem Torbogen erkennen. An der Fassade des Stadels aus dem 18. Jahrhundert sieht man von der St.-Leonhards-Gasse aus an der Giebelseite wie weit hier der Abstand zwischen den Fenstern ist, so dass in der Mitte ohne Gefahr Ladungen nach oben gezogen werden konnten.
Das Anwesen diente seit 1535 zur Pflege der an Blattern - in anderen Worten, der Syphilis - Erkrankten. Zur Behandlung wurde klein geschnittenes Holz des amerikanischen Guaiak-Baums aufgekocht und aus dem Sud Bäder bereitet. So eine Holzkur ist 1625 zum letzten Mal erwähnt. Kurz darauf wurden die Siechen von St. Lazarus hierher verlegt. Seit 1708 diente das Haus „zur verwahrung der unsinnigen leute“, also als Irrenhaus. In seinen Wirtschafträumen war ein Teil der Verwaltung und der Lager des städtischen Almosenamtes untergebracht.

  • Artur DIRMEIER / Peter MORSBACH, Spitäler in Regensburg. Krankheit, Not und Alter im Spiegel der Fürsorgeeinrichtungen und Krankenhäuser einer Reichsstadt (=Josef Fink (ed.), Große Kunstführer, Band 192), Regensburg: Schnell & Steiner, 1994, S. 23-24.
  • Peter MORSBACH, Baugeschichtliche Anmerkungen zu einigen mittelalterlichen Spitalbauten Regensburgs, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 47-48.
  • Johann SCHMUCK, Die Entwicklung der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung. Bürgerliche Stiftungen, Almosenamt, Evangelische Wohltätigkeitsstiftung, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 42.
  • Eintrag in der bayerischen Denkmalliste [online].
  • Eintrag auf Wikidata [online].

6. St. Lazarus Leprosenhaus

Von der Leichenhalle zum Kindergarten

Prüfeninger Str. 16, 93049 Regensburg, 49°01'08.2"N 12°04'50.9"E
Frieder Leipold/ARCHIATER

Die Bezeichnung Leprosenhaus zeigt, dass in dieser Einrichtung im Hochmittelalter Leprakranke untergebracht waren. Später wurden allgemein Menschen mit ansteckenden Krankheiten außerhalb der Stadt untergebracht. Nach dem 30-jährigen Krieg blieb nur ein Friedhof übrig.

Früher erklärte man sich das Auftreten der Lepra durch den Kontakt mit dem Erreger im Zuge der Kreuzzüge in Palästina. Heute deuten Studien darauf hin, dass das Bakterium durch Eichhörnchenfelle übertragen wurde. Die Krankheit äußert sich durch Veränderungen der Haut, Schleimhäute und Knochen. Die Bezeichnung „Aussatz“ zeigt, dass Betroffene ausgesetzt, also von der Gesellschaft abgesondert wurden.
In Regensburg befand sich das Leprosenhaus St. Lazarus seit spätestens 1286 westlich vor der Stadt an der Prüfeninger Straße vor dem Jakobstor. So konnten die Kranken Reisende um ein Almosen bitten. Später waren hier allgemein „die Armen, Dürftigen und Siechen“ mit ansteckenden Krankheiten untergebracht, die auch „Sondersieche“ oder auch als „Feldsieche“ genannt wurden. Bei Epidemien von Seuchen wie der Pest wurden diese Erkrankten auch in das Spital vor der Stadt gebracht. 1613 wurde für die Pestkranken ein eigenes Haus errichtet.
Im Osten Regensburg stand das Leprosenhaus St. Niklas, am Regen befand sich das Siechenhaus von St. Mang. 1633 wurde das Spital systematisch abgebrochen, um im 30-jährigen Krieg Belagerern keine Deckung zu geben. Die Stiftung zog ins Blatternhaus und versorgte von da an Bedürftige in der Stadt mit der „Lazarenerkost“. Nur der Spital-Friedhof blieb am ursprünglichen Standtort erhalten. 1831 errichtete man ein neues Leichenhaus. Nach der Umwandlung des Geländes in einen Stadtpark, beherbergt das Gebäude heute einen Kindergarten.

  • Artur DIRMEIER / Peter MORSBACH, Spitäler in Regensburg. Krankheit, Not und Alter im Spiegel der Fürsorgeeinrichtungen und Krankenhäuser einer Reichsstadt (=Josef Fink (ed.), Große Kunstführer, Band 192), Regensburg: Schnell & Steiner, 1994, S. 10-11.
  • Karin RICHTER, Ausstellungsdokumentation Regensburger Spitäler und Stiftungen – Ansichten und Dokumente, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 72-74.
  • Johann SCHMUCK, Die Entwicklung der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung. Bürgerliche Stiftungen, Almosenamt, Evangelische Wohltätigkeitsstiftung, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 39-40, 43.
  • Eintrag zum St. Lazarus Leprosenhaus auf Wikidata [online].
  • Eintrag zum St. Lazarus Leprosenhaus im Bayerischen DenkmalAtlas 2.0.

7. St. Emmeram

Regensburgs ältestes Hotel

Emmeramspl. 3, 93047 Regensburg, 49°00'57.9"N 12°05'35.2"E
Frieder Leipold/ARCHIATER

Lange bevor es Hotels gab, boten Klöster Reisenden eine Möglichkeit zum Einkehren und zu Übernachten. In Regensburg besaß das Kloster St. Emmeram ein solche Gästehaus. Wo genau es gestanden hat, ist heute unklar.

Die Ursprünge des Klosters gehen wohl bis ins 8. Jahrhundert zurück, als sich hier eine Kongregation von Benediktiner-Mönchen niederließ. In den Regula sancti Benedicti, den Ordensregeln, des heiligen Benedikt ist klar festgelegt, wie sie ihr Leben zu führen haben. In Regel Nummer 53, De hospitibus suscipiendis, wird beschrieben, wie Reisende als Gäste zu empfangen sind. Sie sollen den Friedenskuss bekommen und nach einem gemeinsamen Gebet sollen ihre Füße sollen gewaschen werden. Die Gäste sollten aus einer eigenen Küche versorgt werden, so dass der Tagesablauf der Mönche nicht gestört würde. In Regensburg gab es zur Aufnahme von Reisenden und Pilgern anscheinend bereits um 980 ein Spital, das sich wohl gegenüber der Michaelskapelle befunden hat.

Um 1335 ist eine Weinschänke im Hospital überliefert. Die ehemalige Michaelskapelle beherbergt heute das Emmerams Forum und versorgt im Emmerams Café Gäste mit Speis und Trank. Wo genau sich das historische Spital jedoch genau befunden hat, ist heute unklar. Wo sich hingegen die Infirmerie, das Haus für kranke Mönche befand, wissen wir dagegen genau. Auf einer Ansicht von 1619 ist ein zweigeschossiges Gebäude westlich der Klausur, dem verschlossenen Bereich um den Kreuzgang, zu sehen. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Flügel des Schlosses Thurn und Taxis aus dem 19. Jahrhundert.

  • Artur DIRMEIER / Peter MORSBACH, Spitäler in Regensburg. Krankheit, Not und Alter im Spiegel der Fürsorgeeinrichtungen und Krankenhäuser einer Reichsstadt (= Große Kunstführer, Band 192), Regensburg: Schnell & Steiner, 1994, S. 10–11.
  • Max PIENDL, Fontes monasterii s. Emmerami Ratisbonensis. Bau- und kunstgeschichtliche Quellen, in: Quellen und Forschungen zur Geschichte des ehemaligen Reichsstiftes St. Emmeram, Kallmünz: Verlag Michael Lassleben, 1961, S. 41–44, 74, 79.
  • Max PIENDL, St. Emmeram in Regensburg. Baugeschichte seiner Klostergebäude, in: Beiträge zur Baugeschichte des Reichsstiftes St. Emmeram, Kallmünz: Verlag Michael Lassleben, 1986, S. 269–274.
  • St. Emmeram auf Wikidata.

8. St. Ignatius Bruderhaus

Katholiken müssen leider draußen bleiben

Emmeramspl. 12, 93047 Regensburg , 49°00'58.0"N 12°05'39.4"E
Frieder Leipold/ARCHIATER

Bruderhäuser waren Stiftungen für alte Handwerker, die ohne eigenes Verschulden in Not geraten waren. Weil man in Regensburg nur als Lutheraner das Bürgerrecht bekommen konnte, blieb diese Unterkunft der katholische Bevölkerung verwehrt.

1419 stiftete Stephan Notangst das erste Bruderhaus für zwölf alte Handwerker am Haidplatz 2. 1437 stiftete dann Hans Kastenmeier eine weitere solche Einrichtung an der Bachgasse. 1444 wurden beide Stiftungen am Emmeramsplatz vereint und boten jetzt Plätze für 24 Bedürftige. Nachdem die Regensburger Bürgerschaft knappe hundert Jahre später, im Jahr 1542 evangelisch wurde, wurde das Bruderhaus zwangsläufig auch protestantisch, weil die Ausübung eines Handwerks an das Bürgerrecht gebunden war.
1621 war die Kirche in die Jahre gekommen und wurde als „ganz pawfellig klain und eng“ beschrieben. Und so wurde in zwei Jahren das Haus umgebaut. Der zur Bachgasse auskragende Chor-Erker aus dem 15. Jahrhundert wurde in den Neubau integriert. Der Glockenturm darüber wurde nach einem Sturmschaden 1868 erneuert.
Das Gebäude diente auch als Speicher. So wurden im Keller Fässer gelagert, im dreistöckigen Dach unter anderem Mehl und Holz. Doch gerade diese Mischnutzung eines Gotteshauses erweckte 1889 den Unwillen des Bauamtsassessor Marquard, der einen erneuten Neubau forderte: „Das ungeheuere Dach mit den Aufzugsvorrichtungen verschlimmert noch das unschöne Aussehen dieses Gotteshauses.“ Doch die Konstruktion blieb erhalten und stellt heute ein ganz besonderes Baudenkmal Regensburgs dar.

  • Artur DIRMEIER / Peter MORSBACH, Spitäler in Regensburg. Krankheit, Not und Alter im Spiegel der Fürsorgeeinrichtungen und Krankenhäuser einer Reichsstadt (=Josef Fink (ed.), Große Kunstführer, Band 192), Regensburg: Schnell & Steiner, 1994, S. 31-33.
  • Hermann REIDEL, Anmerkungen zur Kunstgeschichte des Evangelischen Krankenhauses und der Bruderhauskirche, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 68-70.
  • Hermann REIDEL, Anmerkungen zur Kunstgeschichte des Evangelischen Krankenhauses und der Bruderhauskirche, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 68-70.
  • Johann SCHMUCK, Die Entwicklung der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung. Bürgerliche Stiftungen, Almosenamt, Evangelische Wohltätigkeitsstiftung, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 40-41.
  • Eintrag zum St. Ignatius Bruderhaus auf Wikidata [online].

9. St. Salvator Waisenhaus

„andächtig und mit gebogenen Knyen“

Heiliggeistgasse 7, 93047 Regensburg, 49°01'05.0"N 12°06'19.7"E
Frieder Leipold/ARCHIATER

Um die katholischen Waisenkinder von der Straße zu holen, gründete Weihbischof Gottfried Langwerth diese Einrichtung. Das Leben hier war geprägt von den heiteren Bildern in der Kirche – und einem strengen Alltag.

Die evangelische Stadtverwaltung kümmerte sich nur um die Waisen von Einwohnern mit Bürgerrecht. Die Kinder von Katholiken, die beispielsweise als Gesinde und Tagelöhner gearbeitet hatten, blieben nach deren Tod sich selbst überlassen. Einige brachte man nach Nürnberg, wo sie dann evangelisch erzogen wurden, „die mehrigen aber seint im Bettel herumgeloffen wie das unvernünftige Viech und ohne all Sittenlehr“. Deshalb schuf Weihbischof Gottfried Langwerth 1731 eine Einrichtung für bis zu 50 Kinder in der Heiliggeistgasse.

Ein Einblick in die Hausordnung zeigt, wie streng der Tagesablauf geregelt war:

5.30 Uhr – Aufstehen
6.15 Uhr – Morgen-Gebet „vor die lebendige und abgestorbene Gutthäter und Gutthäterinnen (…) ein besonderes, dazu eingerichtetes Gebett sammt dem heiligen Rosenkrantz und einem aus den 7 Buß-Psalmen gebett“
6.45 Uhr – heilige Messe „vor die Gutthäter und Gutthäterinnen einen heiligen Rosenkrantz mit lauter Stimm bettet.“

  • Artur DIRMEIER / Peter MORSBACH, Spitäler in Regensburg. Krankheit, Not und Alter im Spiegel der Fürsorgeeinrichtungen und Krankenhäuser einer Reichsstadt (=Josef Fink (ed.), Große Kunstführer, Band 192), Regensburg: Schnell & Steiner, 1994, S. 35-37.
  • Karl HAUSBERGER, Die katholischen Waisenhäuser St. Salvator in der Ostnerwacht und St. Peter in Stadtamhof-Steinweg, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 31-37.
  • Ute KÜPPERS-BRAUN, Erzieh- und Exulantenkinder im Regensburger Waisenhaus für die Armen Kinder, Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 144 (2004) Regensburg 2004, S. 173-193 [online].
  • Karin RICHTER, Ausstellungsdokumentation Regensburger Spitäler und Stiftungen – Ansichten und Dokumente, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 77-78.
  • Johann SCHMUCK, Die Entwicklung der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung. Bürgerliche Stiftungen, Almosenamt, Evangelische Wohltätigkeitsstiftung, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 43-44.
  • Eintrag zum St. Salvator Waisenhaus auf Wikidata [online].

10. Pestinhof

Auf der letzten Reise durch die Nacht

Wöhrdstraße 93, 93059 Regensburg, 49°01'12.7"N 12°06'53.5"E
Frieder Leipold/ARCHIATER

Nach den Belagerungen in den 1630er-Jahren errichtete man auf dem Unteren Wöhrd ein neues Pest-Lazarett. Seine große Bewährungsprobe kam bei der Epidemie von Juli 1713 bis zum Februar 1714 als Regensburg mindestens ein Drittel seiner Bevölkerung verlor.

Spitäler mit Kapazitäten für Pestkranke wie St. Lazarus und St. Niklas vor der Stadtmauer waren im Zuge der Kämpfe von 1633 niedergelegt worden. Bereits im Jahr danach richtete man in einer ehemaligen Pulvermühle auf dem östlichen Spitz des Unteren Wöhrds ein improvisiertes Pestlazarett ein. Als im Juli 1713 zum letzten Mal die Pest in Regensburg ausbrach, sollte sie schlimm wie nie wüten und der Pestinhof musste rasch ausgebaut werden.
Die Leichen der Verstorbenen wurden aus Gründen der Pietät zunächst nur in der Nacht auf einem Leiterwagen aus der Stadt zum Friedhof des Pestinhofs gebracht. Als die Pestwelle nicht abklingen wollte, fertigte man einen geschlossenen Wagen an. Aus welchem Holz die Knechte geschnitzt waren, die die Transporte durchführten zeigt der Bericht des Chronisten Johann Christoph Buzinger:
„Die Pestinträger raubten die Häuser aus, gingen mit den toten Körpern sehr unbarmherzig um, warfen sie von den Stiegen herunter, daß hier die Fetzen vom Haar und dort ein Stück vom Gehirn hängen blieb, wie ich (…) mit meinem Auge gesehen habe“
Der Pestinhof ist heute noch erhalten, auch wenn Umbauten ab 1960 sein Erscheinungsbild verändert haben.

  • Artur DIRMEIER / Peter MORSBACH, Spitäler in Regensburg. Krankheit, Not und Alter im Spiegel der Fürsorgeeinrichtungen und Krankenhäuser einer Reichsstadt (=Josef Fink (ed.), Große Kunstführer, Band 192), Regensburg: Schnell & Steiner, 1994, S. 24-25.
  • Helmut-Eberhard PAULUS, Der Reichsstädtische Pestinhof auf dem Unteren Wöhrd, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 53-58.
  • Karin RICHTER, Ausstellungsdokumentation Regensburger Spitäler und Stiftungen – Ansichten und Dokumente, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 77.
  • Johann SCHMUCK, Die Entwicklung der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung. Bürgerliche Stiftungen, Almosenamt, Evangelische Wohltätigkeitsstiftung, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 43.
  • Eintrag zum Pestinhof auf Wikidata [online].