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St. Lazarus Leprosenhaus

Prüfeninger Str. 16, 93049 Regensburg, 49°01'08.2"N 12°04'50.9"E

Text: Frieder Leipold/ARCHIATER


Die Bezeichnung Leprosenhaus zeigt, dass in dieser Einrichtung im Hochmittelalter Leprakranke untergebracht waren. Später wurden allgemein Menschen mit ansteckenden Krankheiten außerhalb der Stadt untergebracht. Nach dem 30-jährigen Krieg blieb nur ein Friedhof übrig.

Früher erklärte man sich das Auftreten der Lepra durch den Kontakt mit dem Erreger im Zuge der Kreuzzüge in Palästina. Heute deuten Studien darauf hin, dass das Bakterium durch Eichhörnchenfelle übertragen wurde. Die Krankheit äußert sich durch Veränderungen der Haut, Schleimhäute und Knochen. Die Bezeichnung „Aussatz“ zeigt, dass Betroffene ausgesetzt, also von der Gesellschaft abgesondert wurden.
In Regensburg befand sich das Leprosenhaus St. Lazarus seit spätestens 1286 westlich vor der Stadt an der Prüfeninger Straße vor dem Jakobstor. So konnten die Kranken Reisende um ein Almosen bitten. Später waren hier allgemein „die Armen, Dürftigen und Siechen“ mit ansteckenden Krankheiten untergebracht, die auch „Sondersieche“ oder auch als „Feldsieche“ genannt wurden. Bei Epidemien von Seuchen wie der Pest wurden diese Erkrankten auch in das Spital vor der Stadt gebracht. 1613 wurde für die Pestkranken ein eigenes Haus errichtet.
Im Osten Regensburg stand das Leprosenhaus St. Niklas, am Regen befand sich das Siechenhaus von St. Mang. 1633 wurde das Spital systematisch abgebrochen, um im 30-jährigen Krieg Belagerern keine Deckung zu geben. Die Stiftung zog ins Blatternhaus und versorgte von da an Bedürftige in der Stadt mit der „Lazarenerkost“. Nur der Spital-Friedhof blieb am ursprünglichen Standtort erhalten. 1831 errichtete man ein neues Leichenhaus. Nach der Umwandlung des Geländes in einen Stadtpark, beherbergt das Gebäude heute einen Kindergarten.



  • Artur DIRMEIER / Peter MORSBACH, Spitäler in Regensburg. Krankheit, Not und Alter im Spiegel der Fürsorgeeinrichtungen und Krankenhäuser einer Reichsstadt (=Josef Fink (ed.), Große Kunstführer, Band 192), Regensburg: Schnell & Steiner, 1994, S. 10-11.
  • Karin RICHTER, Ausstellungsdokumentation Regensburger Spitäler und Stiftungen – Ansichten und Dokumente, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 72-74.
  • Johann SCHMUCK, Die Entwicklung der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung. Bürgerliche Stiftungen, Almosenamt, Evangelische Wohltätigkeitsstiftung, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 39-40, 43.
  • Eintrag zum St. Lazarus Leprosenhaus auf Wikidata [online].
  • Eintrag zum St. Lazarus Leprosenhaus im Bayerischen DenkmalAtlas 2.0