St. Peter Waisenhaus
Steinweg 1, 93059 Regensburg, 49°01'37.4"N 12°05'48.4"E
Weihbischof Gottfried Langwerth von Simmern hatte viele Steine aus dem Weg zu räumen, bevor er 1737 das neue Waisenhaus in Stadtamhof einweihen konnte. Hämischen Bürger schwebte eine ganz andere Nutzung des Gebäudes vor.
Das katholische Waisenhaus St. Peter in Stadtamhof beherbergte in Zeiten höchster Auslastung 50 Waisen und verhalf 100 armen Kindern zu einer Schulbildung. Im angeschlossenen Krankenhaus wurden Bedürftige behandelt. Doch der Anfang verlief schleppend. Obwohl Weihbischof Gottfried Langwerth von Simmern 1735 Wohltätern als Vergeltung für eine Spende „einen Wechsel in die lange Ewigkeit“ versprach, dauerte es, bis er die offizielle Genehmigung bekam. Spottende Bürger prophezeiten schon ein Scheitern seiner Bestrebungen. Sie spekulierten über eine Umwidmung des ehemaligen Spitals in ein Wirtshaus. Einen passenden Namen hatten sie sich auch schon ausgedacht. Wegen der Statue eines Schmerzensmanns sollte es „Zum Nackenden Herrgott“ heißen. 1737 war es dann aber trotz allen Unkenrufen soweit und das Waisenhaus nahm seinen Betrieb auf. Sechs Jahre zuvor hatte Langwerth von Simmern bereits ein erstes Waisenhaus für katholische Kinder in der Ostnerwacht errichtet (Nummer 10 unserer Tour). Für evangelische Waisen gab es seit 1666 ein Haus in der Alten Manggasse. Zuvor waren „die arme vater- und mutterlose waisen gar übel von ihren costherren und -frauen erzogen und mehr zum betteln als zur schuel gehalten worden“, so dass sie, „wan sie im harten winter also im betteln herumbgezogen, sich erfrört und schäden bekommen“ hatten.
- Artur DIRMEIER / Peter MORSBACH, Spitäler in Regensburg. Krankheit, Not und Alter im Spiegel der Fürsorgeeinrichtungen und Krankenhäuser einer Reichsstadt (=Josef Fink (ed.), Große Kunstführer, Band 192), Regensburg: Schnell & Steiner, 1994, S. 34-35, 37-38.
- Karl HAUSBERGER, Die katholischen Waisenhäuser St. Salvator in der Ostnerwacht und St. Peter in Stadtamhof-Steinweg, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 31-37.
- Ute KÜPPERS-BRAUN, Erzieh- und Exulantenkinder im Regensburger Waisenhaus für die Armen Kinder, Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg (Hrsg.), Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 144, Regensburg: Verlag des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 2004, S. 173-193 [online].
- Karin RICHTER, Ausstellungsdokumentation Regensburger Spitäler und Stiftungen – Ansichten und Dokumente, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 78-79.
- Johann SCHMUCK, Die Entwicklung der Evangelischen Wohltätigkeitsstiftung. Bürgerliche Stiftungen, Almosenamt, Evangelische Wohltätigkeitsstiftung, in: Helmut-Eberhard Paulus, Hermann Reidel, Paul W. Winkler (eds.), Regensburger Herbstsymposion zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege, 1. Band, Regensburg: Verlag Schnell & Steiner, 1995, S. 43-44.
- Eintrag zum St. Peter Waisenhaus auf Wikidata [online].